Beim Bundesnachwuchschampionat Vielseitigkeit in Warendorf schossen die Westfalen wieder einmal den Vogel ab. In der Abteilung Pferde verwies das westfälische Quintett die Teams aus Schleswig-Holstein und Hessen auf die Plätze. Bei den Ponys siegte Westfalen vor Hannover und Sachsen. In der kombinierten Einzelwertung dominierte der Hamburger Einzelreiter Max Theodor Steinkraus mit Agamemnon bei den Pferden. Bei den Ponys ging der Sieg an Romy Koch aus Baden-Württemberg mit Mas que dos.
Schon vor dem abschließenden Stilgeländeritt lagen die Westfalen in Führung und bestätigten dort mit Topnoten ihre Vorleistungen aus Dressur, Stilspringen, Theorie und Vormustern. Eine 9,5 gab es für die Vorstellung von Carla Lindner und ihrem elfjährigen Westfalen Dibavero, eine glatte 9,0 trug Luisa Böhmer mit Dzumba S zum Sieg des Teams bei. Auch ihre Teamkolleginnen demonstrierten auf dem Warendorfer Geländeplatz ihr Können: Für den Westfalenchampion Leo Barfuß und C’est l’espoir ZWP gab es die 7,8, für Wilma Ostholt und Coraly die 8,7 und für Sophie Korte und die in der Familie gezogene Cassiopeia eine 8,5. Diese Noten lohnten sich, denn das Geländeergebnis zählt gleich fünffach für die Endabrechnung. In der Endabrechnung kamen die Westfalen auf 383,90 Punkte: Gold!
Erwartungsgemäß konnten nicht alle Teams ihren Platz im Gelände halten. So rückten die Reiter aus Schleswig-Holstein (Leni Hansen/Caluna E, Charlotte von Donner/Feldgoldpeanut, Mia Sophie Klonowski/Daybreaker und Emmi Pauline Ostmann/Crackers Lady) von Platz vier auf zwei vor (362,20 Punkte). Die meisten Punkte trug allerdings Clara Gräfin von Platen-Hallermund mit Koronia zum Teamergebnis bei, auch dank einer 9,3 im Gelände.
Die Hessen (Lea Alexander/Dundak, Catalina Gayá Peddinghaus/Red Snapper, Philipp Erik Schlaudraff/Cecile, Carl Ciska/Philinah und Nele Reineck/Visa) machten sogar noch mehr Plätze gut und sprangen von sieben auf drei (355,5 Punkte). Ihr stärkstes Paar waren Nele Reineck und Visa, die den Parcours bereits mit einer guten Note (8,1) verlassen hatten und mit einer 9,4 zu den Besten im Gelände zählten. Mit insgesamt 126,4 Punkten verpassten sie in der Einzelwertung Bronze nur um einen Platz.
Max Theodor Steinkraus dominiert die Einzelwertung
Unangefochtener Gewinner der Einzelwertung war Max Theodor „Theo“ Steinkraus, der sich in allen Teilprüfungen als souverän erwies: Theorie 10,0, Vormustern 9,5, Dressur 8,5, Springen 8,2. Sein Pferd war der 14-jährige Hannoveraner Agamemnon, mit dem seine Mutter Katharina Luise Steinkraus vor zwei Jahren das Deutsche Amateur-Championat gewinnen konnte. Im Gelände vergaben die Richter für das Paar die 9,7 – besser ging es nicht in dieser Abteilung, bei insgesamt 73 Startern. „Es ist selten so, dass uns nicht mehr ganz viel einfällt, aber in diesem Fall ist es so. Du hast sehr vieles sehr richtig gemacht“, kommentierte Richterin Monika Schnepper den Geländeritt. „Immer frisch im Vorfeld, auch ganz rhythmisch vom Sprung weggeritten. Also keine Sekunde verschenkt, ohne aber den Plan zu verlieren und die folgenden Sprünge gleichermaßen ausbalanciert sitzend vorzubereiten. Klasse!“
Mit einer Gesamtpunktzahl von 134,8 Punkten verwies Steinkraus die westfälische Reiterin Carla Lindner mit Dibavero mit vergleichbar guten Noten und einer 9,5 im Gelände auf Platz zwei (131,8) vor ihrer Teamkollegin Sophie Korte mit der in der Familie selbstgezogenen Stute Cassiopeia (126,8).
Auch die Abteilung Ponys geht an Westfalen
Klein, aber fein war das Starterfeld bei den Ponys mit 31 Paaren. Fünf der insgesamt sechs Teams bestanden nur aus drei Paaren. Als einziger Landesverband stellte Westfalen ein Fünferteam. Und dieses ging wie bei den Pferden als Führendes in den abschließenden Geländeritt. Dort zeigte sich Frieda Schulze Zurmussen am routiniertesten und trug mit einer glatten 9,0 zum Golderfolg des Teams bei. Insgesamt kamen 355,6 Punkte für das Team zusammen, dem auch Laetitia Schulze Wälter mit Nanchos Noble Diamond, Frieda Sohlmann mit Dream it, Jakob Suttorp mit Carlotta und Catharina Frie mit Veivels Little Queen NRW angehörten.
„Ich stelle fest, dass doch jedes Jahr wieder einige unserer Reiter hier bei dieser sehr wichtigen Prüfung über sich hinauswachsen“, freute sich Mannschaftsführerin Anna Roggenland über den Erfolg. Von ungefähr kommt dieser nicht. „Es zahlt sich einfach aus, dass man die Reiter nicht nur alle paar Wochen einmal sieht, sondern sie auch regelmäßig über den Winter betreut. Und sie auch auf dem Turnier kennt“, sagte sie.
Für Anna Roggenland war es der zehnte Sieg und der dritte in Folge beim Bundesnachwuchschampionat. Dies im Zusammenhang mit einem 25-jährigen Jubiläum als Pony-Stützpunkttrainerin bot dem Pferdesportverband Westfalen Anlass genug, sie mit seiner Trainermedaille in Silber auszuzeichnen.
Auf dem Silberrang landete das Dreierteam aus Hannover mit Lina Schütz und Navis, Lotta Bo Laabs mit Daila HE und Lisa von Helldorff mit Valerossi, jüngere Schwester der am selben Wochenende bei den Pony-Europameisterschaften Dressur startenden Lilli von Helldorff. Sie war auch diejenige, die das beste Ergebnis für das Team erzielte, insgesamt kamen 350,90 Punkte zusammen.
Starke Leistung der Sachsen im Gelände
Nur zu dritt waren auch die Sachsen am Start und fielen wie in den letzten Jahren immer häufiger durch ihr gutes Geländereiten auf. Luna Marie Hain hatte mit Golden Sunshine etwas Pech, dafür gefielen die Ritte von Johanna Martha Liebergeld mit Luis und Irmely Zimmermann mit Aarvandt umso besser. Dafür gab es die 9,3 beziehungsweise 9,2, die Höchstnoten in diesem Starterfeld. Und für das Team gab es mit 335,70 Punkten die Bronzemedaille.
Ähnlich wie Anna Roggenland erläutert der sächsische Mannschaftsführer Matthias Grupen das gute Abschneiden wie folgt: „Erstmal ist es natürlich super erfreulich, dass die langjährige Arbeit so langsam anfängt, Früchte zu tragen. Wir stecken unheimlich viel Energie in den Saisonabschluss schon für die nächste Saison, machen dort Lehrgänge und arbeiten mit unseren Reitern und Reiterinnen. Und im Frühjahr auch. Da haben wir bestimmt, um in die ersten Prüfungen reinzukommen, drei bis fünf Trainingsveranstaltungen, bei denen wir miteinander arbeiten. Man lernt und kann am Ende nur das, was man auch wirklich übt“, sagte er. „Was ich persönlich ganz wichtig finde, ist, den Kindern mehr Selbstreflexion zu vermitteln. ‚Warum bist du da so geritten?‘ Das ist von Haus aus im Bewusstsein der Kinder nicht drin. Das muss man ihnen erklären. Und es lohnt sich, da viel Energie reinzustecken und wirklich penibel zu sein. Und das beginnt mit der Dressur.“
Romy Koch gewinnt Einzel-Gold bei den Ponys
Dank ihrer guten Leistungen konnten sich die beiden sächsischen Reiterinnen auch in der kombinierten Einzelwertung weit oben platzieren. Zimmermann mit 122,7 Punkten auf Platz vier, Liebergeld mit 125,3 Punkten sogar auf dem Bronzerang. An die Spitze setzte sich in dieser Abteilung die Baden-Württembergerin Romy Koch mit dem ehemaligen EM-Pony Mas que dos. Sie konnte als Einzige in allen Teilprüfungen Noten von 8,0 und besser vorweisen. Endstand: 126,0 Punkte. Die Silbermedaille ging an Sonja Schlubeck, Einzelreiterin aus Sachsen-Anhalt, die mit Sir Paco 125,5 Punkte erzielte. Pferdesport Deutschland/Hb



