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Nachlese U25 WM Millstreet: Ann-Catrin Bierlein im Buschreiter-Interview

Ann-Catrin Bierlein war am vergangenen Wochenende Teil des deutschen Teams, welches an den allerersten U25 Weltmeisterschaften in der Vielseitigkeit im irischen Millstreet teilnahm. Und das mit großem Erfolg: Mit ihrem Erfolgspartner, dem bereits 18-jährigen Sir Scotty erlebte die Warendorferin eine rundum gelungene Zeit mit der deutschen Mannschaft und gewann an ihrem 25. Geburtstag nicht nur Teamsilber, sondern konnte auch in der Einzelwertung in die Top 10 reiten. Im Buschreiter-Interview hat sie sowohl den sportlichen Teil, als auch die ganze Vorbereitung sowie das Drumherum der Veranstaltung noch einmal Revue passieren lassen
(ausführlich! Die Lesezeit beträgt ca. 15 Minuten)

Der Weg zur Nominierung

,,Im Laufe der vergangenen Saison wurde ja zum ersten Mal in den Raum geworfen, dass es in diesem Jahr eine U25 WM geben sollte. Da habe ich direkt gedacht, dass das ja nochmal ein cooles Saisonziel für Scotty und mich sein könnte. Da haben wir dann beim ersten Kaderlehrgang Anfang der Saison dann auch mit dem Bundestrainer schon drüber gesprochen und das in der Saisonplanung entsprechend berücksichtigt. Im letzten Jahr bin ich ja zum ersten Mal in Boekelo geritten und hatte mich danach dann schon gefragt, welches Highlight es für Scotty und mich noch geben könnte. Er ist ja dieses Jahr 18 und fitter denn je, aber natürlich überlegt man sich bei einem Pferd in den letzten Jahren seiner Karriere schon ganz genau wo drauf man noch hintrainiert und wie man ihn einsetzt. In der Planung der Saison wurde uns dann recht freie Hand gelassen, einige Reiter brauchten noch ihre 4*-Quali, da wurde dann schon geschaut, dass das rechtzeitig in der Saison angegangen wird.

Ich war Anfang der Saison mit meinen jüngeren Pferden in England bei Kevin McNab zum Training. Da war Scotty tatsächlich gar nicht mit und wurde von meiner Mama und zeitweise auch von Jérôme im Springen (Anm. der Redaktion: Robiné) fit gemacht für die Saison. Ich bin dann direkt von England aus mit meinen Pferden zum ersten Turnier nach Strzegom gefahren, da ist dann meine Mama mit Scotty auch hingekommen, wir sind am ersten Wochenende die CCI3*-S geritten und sind dann danach bis zum nächsten Strzegom Turnier zwei Wochen später dort geblieben und ich konnte ihn in der Zeit weiter trainieren. Wobei man sagen muss, dass wir mit Scotty gar nicht mehr groß Gelände trainieren müssen, sondern ihn in erster Linie happy und fit halten. Am letzten Aprilwochenende bin ich dann dort nochmal 4* geritten, was auch gut geklappt hat. Danach war dann von Anfang an klar, dass die U25 Deutsche Meisterschaft in Luhmühlen mit der S-Vielseitigkeit Pflicht für alle ist die zur U25 WM mitfahren wollen.“

Das Treppchen der U25 DM Vielseitigkeit 2026 in Luhmühlen – Gold für Calvin Böckmann, Silber für Jana Lehmkuhl und Bronze für Ann Catrin Bierlein Foto: Ute Goedecke

Das Trainingslager in Warendorf

,,Wir hatten insgesamt ein eher kurzes und auch im Vergleich relativ freies Trainingslager in Warendorf. Ich kannte bis dahin nur das Trainingslager für die EM der Junioren 2019, wo die Tage schon ziemlich durchgetaktet waren. Die Anreise war am Donnerstag, wobei Scotty bis zur Abreise nach Millstreet noch in seiner heimischen Box verbringen konnte, die nur fünf Minuten vom DOKR entfernt ist. Durch den Unfall von Peter Thomsen musste etwas improvisiert werden, denn unser Trainingslager hatte sich mit der letzten Aachen Sichtung in Avenches überlagert, wo unser U25 Trainer Dibo und auch Anne-Kathrin Pohlmeier ja nun vor Ort gebraucht wurden. Am Donnerstag hat jeder erst einmal die Pferde so bewegt wie sie es brauchten und am Freitag sind wir alle nochmal mit Lara Weber, unserer Spezialtrainerin fürs Springen, Parcours gesprungen. Sie war im engen Austausch mit Dibo und sie haben sich, denke ich, auch über uns und wie die Pferde drauf waren unterhalten. Samstag war das Training dann wieder etwas freier, weil die Pferde Samstag Mittag schon zur langen Reise nach Millstreet aufgebrochen sind.“

Die weite Reise nach Millstreet

,,Für die Anreise nach Millstreet gibt es zwei Optionen, man kann entweder eine lange Fähre direkt nach Irland nehmen oder zwei kürzere Fähren mit Landweg über England. Da die lange Fähre aber 20 Stunden gedauert hätte, wo man die Pferde nicht abladen kann, wurde sich für die zwei kürzeren Fähren entschieden. Bei uns sind die drei Wallache von Nico, Linus und mir mit der Spedition Johannsmann gefahren und die beiden Stuten von Calvin und Konsti mit dem LKW von Böckmann, den Rolli Böckmann gefahren ist. Meine Mama ist mit Sandra Harting und unserem Campervan hinter den Pferden hergefahren und mit unseren ,Muttis‘, Malin, der Pflegerin von Konsti und unserem Teamtierarzt Clemens Hayessen waren die Pferde unterwegs wirklich super versorgt. Der Konvoi mit den Pferden ist dann von Warendorf über Calais in Frankreich mit der ersten Fähre nach Dover gefahren. In der Nähe von Bristol wurde dann bei David Broom, einem sehr erfolgreichen britischen Springreiter, ein Stopover von etwa 10 Stunden eingelegt. Die Pferde konnten sich in den Boxen etwas ausruhen, wurden geführt, grasen gelassen und locker longiert. Dass Clemens als Teamtierarzt dabei war, war für uns alle wirklich eine Bereicherung. Er hat sehr gut auf alle Pferde geachtet, sie selbstständig inhaliert und hat uns damit auch wirklich ein gutes Gefühl gegeben. Die Fähre von England nach Irland dauerte dann nochmal etwa vier Stunden und dort wurde über Nacht die Fähre genommen. Von da aus waren es dann nochmal gut 200 km nach Millstreet. Wir Reiter sind erst am Montag aus Amsterdam nach Dublin geflogen, wurden aber natürlich von unterwegs aus die ganze Zeit mit Updates zu unseren Pferden versorgt.“

Ankunft & die ersten Tage vor Ort

,,Wir Reiter kamen am Montag Mittag schon etwa eine Stunde vor den Pferden am Veranstaltungsgelände an und konnten dann schonmal die Boxen und die Stallgasse für unsere Vierbeiner vorbereiten. Die Pferde hatten sehr schöne feste Holzboxen in einer großen Halle mit Fenstern zur Stallgasse die auch wirklich breit war, sodass man viel Platz hatte. Vor der Anreise war zunächst noch angesagt worden, dass es eine Hitzewelle geben könnte, also haben wir nur zur Sicherheit auch noch Ventilatoren für die Pferde gekauft, die wir am Ende jedoch gar nicht brauchten. Wobei sich 25 Grad in Irland schon deutlich wärmer anfühlen als in Deutschland, da dort die Luftfeuchtigkeit nochmal deutlich höher ist als zuhause. Das Veranstaltungsgelände war wirklich beeindruckend mit vielen verschiedenen Trainingsplätzen, wobei die Geländestrecke etwas abseits lag, sodass man die Sprünge auch erst gesehen hat, als man dann wirklich den Kurs abgelaufen ist. Die Familie von Nico war auch schon früh da und hat ein richtiges Deutschlandlager aufgebaut, was dann durch die Wohnmobile und den LKW von Böckmanns komplettiert wurde. Abends haben wir dann eigentlich immer mit dem deutschen Support-Team zusammen im Lager gegrillt und während wir uns noch um die Pferde gekümmert haben wurden schon die Salate vorbereitet und Rolli stand als Grillmeister am Grill. Wir Reiter waren, wie auf Championaten üblich, im Hotel untergebracht. Vom Organisationsaufwand war das schon etwas anderes als bei einem normalen Turnier, wo jeder mit seinem eigenen LKW oder Anhänger hinfährt. Hier waren die ganzen Kisten und Klamotten mehr oder weniger gemixt in den LKWs, sodass man erst einmal schauen musste, was jetzt wem gehört.

Am Montag haben wir dann individuell locker geritten oder longiert, bevor unsere Dressurtrainerin Anne-Kathrin dann direkt aus Avenches nach Millstreet kam und mit uns dann am Dienstag nochmal jeweils einzeln Dressur trainiert hat. Zum Glück hatten alle Pferde die lange Reise super überstanden und sind fit in Millstreet angekommen. Wir haben dann am Dienstag auch von Dibo schon die Teamorder bekommen, wo für uns alle eher überraschend kam, dass Calvin direkt als Erster für das Team reiten sollte. Wir hatten alle ehrlich gesagt damit gerechnet, dass Calvin als Letzter startet, wie man es auch von großen Championaten kennt wo z.B. auch Michi meist als Letztes startet. Aber es wurde dann so begründet, dass er als Erster recht freie Hand hat und quasi reiten kann wie er möchte, als Letztes hätte es z.B. sein können, dass er sich an eine Teamorder hätte halten müssen, was zwar für das Team wichtig gewesen wäre, aber ihm evtl. in der Einzelwertung zum Verhängnis hätte werden können. Es war ja eigentlich von Anfang an klar, dass Calvin sehr gute Chancen auf eine Einzelmedaille hat. Am Ende ist es ja auch genauso aufgegangen und für uns alle war es denke ich gut, dass wir schon am Dienstag wussten wie es laufen würde, wenn alle Pferde gut durch den Vetcheck kommen.

Am Mittwoch stand dann der Vetcheck an und ich glaube bis dahin hatte Dibo etwas Sorge, dass die ganze Veranstaltung mit uns nicht so seriös werden würde, weil wir eine ziemlich witzige Truppe waren und auch ziemlich viel Spaß hatten, aber als dann der Moment der Verfassung kam und unsere Pferde alle super da durch trabten hatten wir auch so das Gefühl: ,Jetzt geht’s los` und ab da war der Fokus dann auch wirklich auf dem sportlichen Teil der Veranstaltung.

Abends stand dann noch die Eröffnungsparade durch Millstreet an, was auch wirklich etwas Besonderes war. Das Dorf ist sehr klein und alle Anwohner kommen aus ihren Häusern und säumen die Straßen. Der Ort wurde auch in den verschiedenen Flaggen der Teilnehmernationen geschmückt und man hat sich sehr Willkommen gefühlt. Im Anschluss gab es dann noch einen Einmarsch der Nationen in die Reithalle mit anschließender Livemusik.“

Eröffnungsparade U25 WM 2026 Millstreet (IRL) – Foto: Ute Goedecke

Dressur

,,Mit Scottys und meiner Dressur war ich im Nachhinein wirklich zufrieden und ich habe im Laufe des Turniers auch nochmal viel über ihn gelernt. Ich habe dieses Pferd bekommen als mit ihm in der Dressur eigentlich gar nichts mehr ging und habe damals vielleicht auch etwas arrogant gedacht, dass ich das schon wieder hinbekomme. Er hat eine gewisse Toleranz für Dressurlektionen, aber wenn die aufgebraucht ist, dann wird es schwierig mit ihm. Von daher war meine Taktik eigentlich meistens ihn gar nicht viel Dressur zu reiten. Aber in Millstreet habe ich ihn am Dienstag nochmal mit Anne-Kathrin dressurmäßig gearbeitet und da war es wirklich für unsere Verhältnisse richtig gut. Am Donnerstag hatte unsere Dressur dann auch wirklich etwas mit reiten zu tun und weniger mit Schadensbegrenzung, von daher war ich bei den ein oder anderen Punkten am Anfang etwas enttäuscht. Vor allem war ich zunächst noch unter 40 Punkten geblieben, aber bei Championaten und bei 5*-Prüfungen können das Halten und die fliegenden Wechsel nochmal ,reviewt` werden, wenn die Richter in der Bewertung mehr als drei Punkte auseinander liegen. Das war leider bei meinem Halten der Fall, sodass hier nachträglich nochmal nach unten korrigiert wurde, was natürlich im ersten Moment schon enttäuschend war.“

Ann Catrin Bierlein & Sir Scotty – WM 2026 Millstreet (IRL) – Foto: Ute Goedecke

Der große Geländetag

,,Ich muss schon ehrlich sagen, dass wir erstmal geschluckt haben, als wir den Geländekurs zum ersten Mal gesehen haben. Es hatte sich im Vorhinein herumgesprochen, dass die erste U25 WM noch nicht allzu schwer gebaut werden sollte. Aber als wir dann das Gelände gesehen haben haben wir festgestellt, dass die Engländer und Iren da wohl eine etwas andere Perspektive drauf haben. Der Kurs war sehr intensiv und ich hatte auch nicht erwartet, dass der Kurs so hügelig sein würde. Vor allem in den ersten 3-4 Minuten ging es eigentlich die meiste Zeit bergauf und im Allgemeinen war der ganze Kurs auch einfach echt dick gebaut und definitiv zusammen mit Boekelo das Schwerste, was ich bis jetzt geritten bin. Dennoch war der Kurs wunderschön aufgebaut: Alle Hindernisse waren Teil eines Themenparks, standen für eine Stadt in der Region welche auf einer Tafel am Sprung noch genauer erklärt wurde. Auch der Boden wurde sehr viel bearbeitet und bewässert. Wir waren uns alle einig, dass dies ein richtiger ,Championship Kurs‘ ist. Nach dem ersten Abgehen waren wir dann alle erstmal etwas ruhiger und ich war wirklich froh, dass ich ein Pferd wie Scotty für das Turnier an meiner Seite hatte, denn er ist einfach eine richtige Geländemaschine. Trotzdem war ich schon am Freitag Abend richtig aufgeregt, was eigentlich bei mir erst am Samstag morgen vor dem Gelände kommt. Insgesamt bin ich den Kurs schon fünf Mal abgegangen, was auch häufiger ist als ich es sonst mache. Was mir sehr geholfen hat war, dass ich Samstag morgen noch einmal ganz alleine den Kurs abgelaufen bin und überall einen festen Plan hatte, wie ich es angehen wollte, das hat mir nochmal Sicherheit gegeben. Wir konnten dann morgens an ein paar Aufgaben auch schon Pferde aus der 4*-L Prüfung sehen und da ließ sich auch vieles schon gut reiten. Dann ging es auch schon mittags los, was gut war, denn ewiges Warten bis zum eigenen Ritt kann so einen Tag ganz schön langsam vergehen lassen.

Als ich dann aufgestiegen bin war ich guter Dinge und als ich zum Abreiteplatz kam, galoppierte Calvin schon ins Ziel. Das war natürlich super zu sehen, dass es geht, aber Dibo hat dann nochmal zu mir gesagt: ,Das ist heute kein Walk in the park, du musst schon kämpfen.‘ Kurz bevor ich dann losgeritten bin kam dann auch Alice Casburn mit ihrem 5*-Pferd Topspin ins Ziel und hatte ja auch ein paar Zeitfehler und da war mir dann schon klar, dass es dann eigentlich unmöglich ist heute in die Zeit zu reiten, wenn es schon so ein erfahrenes Paar nicht schafft. Dass Scotty am Ende so nah da heran kommt, hätte ich vorher auch nicht gedacht. Dazu muss ich allerdings auch sagen, dass wir im deutschen Team 60 Meter mehr gemessen hatten als auf der Skizze, was auf so einem intensiven Kurs schon eine Menge ist. Ich hatte dann vor dem Losreiten meine Rolle im Team ganz klar. Die Order war überall direkt zu reiten und so schnell wie möglich, ohne unkontrolliert zu werden.

Dass dann am Ende alles so aufgegangen ist wie geplant war schon wirklich richtig cool. Scotty war den ganzen Kurs über richtig fit und auch einfach super rittig. Da fühlte sich das Geländereiten mit ihm an wie Moped fahren. Das war in seinen früheren Jahren auch nicht immer so. Jetzt in Millstreet musste ich mich nur aufrichten und zum Sprung schauen und schon hat er sich auf den Sprung fokussiert. Gerade bei dem dicken Kurs war es schon ein super Gefühl, dass er so viel Vermögen hat. Es spielte für ihn gefühlt gar keine Rolle, dass die Tische etwas höher oder etwas breiter waren als sonst. Ich war nach dem Ritt sehr erleichtert und stolz, dass auf einem so wichtigen Turnier alles gestimmt hat und wir unsere Fähigkeiten auf den Punkt abrufen konnten.

Zurück am Stall haben wir dann natürlich alles gegeben und die Pferde wie immer viel geführt und die Beine gekühlt. Als es dann für Konsti und Nico sportlich nicht so gut lief am Geländetag hat man natürlich mit den beiden Pechvögeln mitgefühlt, weil wir ja auch alle gut befreundet sind. Am Abend nach dem Gelände haben wir dann die Pferde auch schon einmal vorgetrabt und als wir dann abends zurück zum Hotel gefahren sind hatten wir alle ein gutes Gefühl in Bezug auf den nächsten Tag.“

Ann Catrin Bierlein & Sir Scotty – U25 WM 2026 Millstreet (IRL) – Foto: Ute Goedecke

Der Abschlusstag

,,Am Sonntag morgen sind wir dann direkt morgens um 5 Uhr wieder zum Stall gefahren, haben die Pferde versorgt und und alle auch nochmal vorgetrabt. Zum Glück lief bei uns alles ohne Probleme, worüber wir uns sehr gefreut haben, gerade wo man ja auch am Rande mitbekommen hat, dass es bei manchen anderen Pferden nach dem Gelände nicht so gut aussah. Das Teamrennen wurde dann nochmal deutlich offener, weil alle vier Mannschaften die noch im Rennen waren, nur noch mit drei Reitern am Start waren. Dadurch zählte dann jeder einzige Fehler im Springen. Wir haben aber versucht das auszublenden und uns auf uns zu konzentrieren.

Das Springen war, wie das Gelände, auch nochmal hoch, schwer, lang und die Zeit war knapp bemessen. Scotty bin ich morgens nochmal etwas geritten, damit ich ihn nicht so lange vor dem Springen abreiten musste. Draußen sprang er sehr gut, aber ich wusste, dass er durchaus einen oder zwei Fehler haben konnte. Am Ende sind dann zwei Stangen gefallen, was mich im ersten Moment natürlich schon etwas geärgert hat, aber am Ende hat dann die Freude überwogen, dass er mit 18 Jahren wieder so fit ist und diese schwere Prüfung so frisch beenden konnte.

Mit Blick auf die angetretenen Teams würde ich nicht sagen, dass wir mit der deutschen Mannschaft als Favoriten ins Rennen gegangen sind. Wir alle sind mit mehr oder weniger ,selbstgestrickten` Pferden an den Start gegangen: Ali ist schon seit 10 Jahren bei Calvin, Scotty war zwischenzeitlich eigentlich schon in Rente und wurde aufgrund seiner Unzufriedenheit auf der Weide nochmal antrainiert, Astrello war eigentlich als Freizeitpferd für Linus Mutter vorgesehen und wurde ab E-Vielseitigkeit von Linus ausgebildet, Chintano und Botswana sind auch von Beginn ihrer Ausbildung an bei Nico und Konsti. Also wir verfügten, anders als manche Reiter aus anderen Nationen, nicht über teuer eingekauftes Pferdematerial und waren daher glaube ich auch bei vielen nicht so richtig auf dem Schirm. Als dann der letzte Reiter aus Irland Springfehler hatte und klar wurde, dass Calvin Gold und wir mit dem Team Silber gewonnen haben, habe ich dann schonmal im Stillen eine kleine Freudenträne verdrückt. Am Ende waren wir alle mega happy. Wir hatten einen total guten Teamspirit, haben uns immer gegenseitig unterstützt und es war einfach ein tolles Event. Ich denke, dass auch diejenigen, bei denen es sportlich nicht ganz wie erhofft lief, die Zeit in guter Erinnerung behalten werden.“

Ann Catrin Bierlein & Sir Scotty – U25 WM 2026 Millstreet (IRL) – Foto: Ute Goedecke 
Silber für Team Germany – U25 WM 2026 Millstreet (IRL) – Foto: Ute Goedecke

Der Erfolg ist perfekt! Was steht nun an?

,,Die Pferde sind am Dienstag Abend wieder wohlbehalten zurück in Warendorf angekommen. Scotty hat jetzt erst einmal frei, wobei er auch vor Millstreet immer schon lange Pausen zwischen den Prüfungen bekommen hat. Nächste Woche kommt dann der Tierarzt vorbei und checkt ihn einmal durch. Aktuell habe ich das Gefühl, dass er richtig aufblüht und in der Form seines Lebens ist. Der Optimalweg wäre, dass wir vielleicht noch einmal nach Boekelo fahren, das hat im letzten Jahr richtig Spaß gemacht dort zu reiten. Ansonsten bekommen nun die anderen Pferde wieder etwas mehr Aufmerksamkeit. Meine sechsjährige Stute Daisy Dynamite ist für das Bundeschampionat und die WM in Le Lion qualifiziert. Ob es mit Le Lion klappt wird sich noch herausstellen, aber wir haben auf jeden Fall noch ein paar schöne Ziele für den Rest der Saison auf dem Plan.“

Buschreiter.de bedankt sich ganz herzlich bei Annca für dieses ausführliche und sehr interessante Gespräch!

Ann Catrin Bierlein & Sir Scotty – U25 WM 2026 Millstreet (IRL) – Foto: Ute Goedecke

Die endgültige Nennungsliste für die Vielseitigkeits-WM in Aachen ist veröffentlicht!