Im Sattel ihrer Erfolgsstute Caja wurde Berit Schulz aus Bovenau in Schleswig-Holstein im Rahmen der VR Classics Neumünster 2026 das Goldene Reitabzeichen verliehen. Die dafür nötigen Erfolge sammelte sie sowohl im Dressur- als auch im Vielseitigkeitssattel. Buschreiter.de sprach mit ihr über ihren ungewöhnlichen sportlichen Weg bis zu dieser besonderen Ehrung, dass es sich lohnt hart an sich zu arbeiten und warum man nie aufhören sollte zu träumen.
Berit Schulz ist in der Nähe von Kiel aufgewachsen, doch anders als bei vielen erfolgreichen Reitern stammt sie aus keiner Pferdefamilie. Jedoch interessierte sich die kleine Berit schon seit sie denken konnte für Pferde und bekam so mit neun Jahren ihr erstes eigenes Pony, einen Hafi-Araber Mix mit eigenem Kopf. ,,Meine Eltern haben mich immer unterstützt bei dem was ich machen wollte, aber der Sport wurde von ihrer Seite nicht aktiv gefördert, da sie davon auch gar keine Ahnung hatten. Ich wurde von anderen Leute am Stall mal mitgenommen zu kleinen Turnieren, aber das war es dann auch,“ erinnert sich Berit an ihre Kindheitstage. Doch die junge Nachwuchsreiterin war so begeistert von ihrem Hobby, dass sie, insbesondere auch schwierige Pferde, gerne mitritt: ,,Ich bin eigentlich alles geritten was mir vor die Füße gefallen ist. Besonders die Vielseitigkeit hat mich von Anfang an gereizt, vor allem wegen der Schnelligkeit und des Adrenalins.“
Züchter Wolfang Köpke und seine Frau Marion aus der Nachbarschaft waren es schließlich, die das Talent in Berit Schulz erkannten und sie einige ihrer Zuchtprodukte reiten ließen: ,,Ihnen habe unheimlich viel zu verdanken. Ich war schon volljährig als ich dann mit ihren Pferden die ersten richtigen Turniere geritten bin. Wolfgang hat mich im Springen unterrichtet, ansonsten war ich eigentlich immer eher Autodidakt und habe mir vieles selbst beigebracht oder von anderen abgeschaut. Ein paar Jahre später habe ich dann mit einem seiner Pferde meinen Trainer C Schein auf dem Hof Beck-Broichsitter gemacht. Dort sind wir dann auch Gelände geritten und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn mein Pferde leider partout nicht ins Wasser wollte.“ Im Laufe der Jahre konnte sich die Amazone mit den beiden Holsteinern Akteur K und Let’s Go K im Busch bis zur CCI1* (heute CCI2*-L) bzw. bis zu den Landesmeisterschaften und im Springen bis in die schwere Klasse weiterentwickeln. Im Parcours war sie im Sattel von Akteur bis zur Klasse M** siegreich. Parallel absolvierte sie ihr Lehramtsstudium: ,,Als es dann ins Referendariat ging hatte ich aufgrund der weiten Fahrten deutlich weniger Zeit zum reiten, sodass der Sport in dieser Zeit etwas hinten anstehen musste.“
2006 lernte Berit schließlich ihren heutigen Mann kennen, der hobbymäßig in der Dressur bis in die schwere Klasse erfolgreich ist. Gemeinsam entschieden sie aus praktikablen Gründen einen kleinen Stall zu bauen, sodass alle Pferde der Familie am gleichen Stall stehen konnten. Als dann der erste Sohn zur Welt kam, blieb die junge Mutter nach der Geburt zuhause um sich um Haus, Hof und die Berittpferde zu kümmern. Da die Berittpferde zu dieser Zeit meist dressurmäßig gezogen waren tummelte sich die heute 43-jährige in den folgenden Jahren hauptsächlich im Dressurviereck. Mit dem damaligen Berittpferd Don Heinrich erritt sie in den Jahren 2012 und 2013 die ersten für das Goldene Reitabzeichen benötigten Erfolge, allerdings alle im Frack und mit Kandare.
Nachdem dann 2015 der zweite Sohn die Familie vervollständigte, ging es für Berit nach einigen Jahren Pause wieder zurück in den Busch. Mit einem Pferd der befreundeten Familie Bschorer startete sie 2018 erstmalig wieder international in der Vielseitigkeit. Im Anschluss ging es dann auf Pferdesuche nach einem geeigneten Jungpferd: ,,Ich habe mir unheimlich viele Pferde angeschaut und schließlich 2019 Caja gefunden und gekauft. Der Wow-Effekt am Anfang blieb zwar aus, aber sie war noch nie im Gelände gegangen und ist dort sofort alles total unerschrocken gesprungen. Das hat mich dann letztendlich überzeugt.“ Mit der damals fünfjährigen Cassilano-Tochter zog also eine potenzielle Nachwuchshoffnung in den Stall der Familie Schulz ein, doch Corona verhinderte Anfang 2020 die ersten Turnierstarts. Als es dann im Mai endlich wieder so langsam losging, konnte die schicke Holsteiner-Stute direkt die ersten beiden Geländepferdeprüfungen bei hochkarätigen Starterfeldern für sich entscheiden. Siebenjährig gewann die von Lorenz Lassen gezogene Caja direkt die ersten beiden Starts auf Intro-Niveau in Westerstede und Hamm. In der gleichen Saison konnte sie sich dann auch gleich beim Debüt auf CCI2*-S Niveau platzieren.
Neunjährig ging es, nach einer verletzungsbedingten Pause, erstmalig in der CCI3*-S Prüfung an den Start: ,,Sie ist wirklich ein ganz konstantes Pferd und konnte sich in ihrer zweiten Saison bei allen 3*-Starts platzieren. Im vergangenen Jahr waren wir dann auch bei der ländlichen Euro dabei, was wirklich ein super cooles Erlebnis war. Wir sind dann auch unsere erste 4*-Prüfung geritten, wo ich dann leider das erste Mal von ihr runtergefallen bin. Aber wir geben nicht auf und das Ziel für die neue Saison ist es eine 4*-Prüfung auch zu beenden. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass Caja das Zeug dazu hat.“ Berit schaut mit viel Dankbarkeit für die Pferde auf ihre bisherige reiterliche Karriere zurück: ,, Aus meiner Erfahrung nach all den Jahren und der Arbeit mit den vielen verschiedenen Pferden kann ich nur allen ambitionierten Reitern raten, dass es sich lohnt immer weiter dranzubleiben und zu träumen. Im Reitsport geht es ständig bergauf und bergab, man braucht eine große Leidensfähigkeit und auch Leidenschaft um all die Arbeit auf sich zu nehmen, aber zu sehen wie sich die Pferde weiter entwickeln und was daraus entstehen kann, ist es auf alle Fälle wert. Ich bin allen Pferden die mich auf dem Weg begleitet haben unheimlich dankbar, ganz besonders natürlich Caja.“
Zur Verleihung des Goldenen Reitabzeichens am Donnerstag erschien in der Holstenhalle neben der Familie, Freunden und Wegbegleitern als Überraschungsgast auch der mittlerweile 89-jährige Züchter Wolfgang Köpke, der damals die Reitkarriere von Berit Schulz maßgeblich ins Rollen brachte. Am Samstag wurden dann im Rahmen der Reiterparty der VR Classics noch einmal so richtig die Korken knallen gelassen und diese besondere Ehrung gebührend gefeiert.
Vielen Dank an Ute Goedecke für das Foto aus Neumünster!

