in ,

Christoph Wahler im Interview: Mit zwei Kaderpferden in die olympische Saison

Christoph Wahler und sein Holsteiner-Schimmel Carjatan S entwickelten sich in den vergangenen Jahren zu einer sicheren Bank im deutschen Vielseitigkeitsteam und waren 2022 entscheidend daran beteiligt, dass Deutschland Mannschaftsweltmeister in der Vielseitigkeit wurde. Auch auf den Europameisterschaften 2021 und 2023 erreichten sie sehr gute Ergebnisse und reiten aktuell in der absoluten Weltspitze mit. In die olympische Saison startet Christoph Wahler mit gleich zwei Pferden im Olympiakader, nämlich Carjatan S und D’Accord FRH. Buschreiter.de konnte mit ihm vor dem Beginn der Saison über die Vorbereitungen und sportliche Ziele für das Jahr sprechen.

Während des Gespräches befand sich Christoph gerade auf dem Heimweg aus Warendorf. Dort traf sich der Olympiakader sowie einige weitere Paare mit dem Ziel Lexington zum ersten Stelldichein der Saison: ,,Wir haben in erster Linie zwei Tage dressurmäßig gearbeitet und sind die 5*- bzw. Championatsaufgabe gemeinsam durchgeritten.“ Mit dabei war diesmal jedoch nur der 15-jährige Carjatan, denn D’Accord hatte sich kurz vor Weihnachten auf der Weide leicht verletzt und war nach zwei Wochen Trainingspause noch nicht wieder so weit, dass er mit zum Lehrgang fahren konnte.

Grundsätzlich sieht die Winterarbeit der beiden Kaderpferde des ehemaligen Mitglieds der Perspektivgruppe Vielseitigkeit recht verschieden aus. ,,Carjatan hatte eine recht kurze Saison und ist nach der EM Anfang August nicht mehr im Busch gegangen. Daher ist er nach seiner Pause bereits wieder voll im Training. Im November haben wir viel Grundlagenausdauertraining gemacht, sind traben gegangen und seit Dezember feilen wir auch schon wieder an der Dressur. Anne-Kathrin Pohlmeier war bereits mehrfach da um uns zu unterstützen. Mittlerweile ist er sehr frisch und wir freuen uns alle, wenn das Wetter es zulässt und er wieder raus auf die Weide gehen kann,“ schmunzelt Christoph. Im Februar wird dann auch wieder das Springtraining für Carjatan dazukommen: ,,Das Gute bei ihm ist, dass ich ihn in und auswendig kenne und mit ihm schon jede Form der Winterarbeit ausprobiert habe. Wir werden von der Leistungsdiagnostik in Warendorf unterstützt und ich weiß mittlerweile genau, wann ich mit ihm anfangen muss zu galoppieren. Da er so gut springt, fangen wir damit auch eher später an, da braucht er einfach nicht ganz so viel Übung wie andere Pferde. Ich denke auch, dass das mit ein Grund ist, warum er mit 15 Jahren noch nie ernsthaft verletzt war, denn man muss ihn im Training nicht so sehr belasten.“

Den nun 12-jährigen Hannoveraner D’Accord FRH aus dem Besitz von Stefan Haupt und Hendrik von Paepcke reitet der 30-jährige seit nun knapp zwei Jahren: ,,Mit D’Accord ist es jetzt der zweite gemeinsame Winter und mit ihm habe ich noch einige Hausaufgaben wie etwa die Grunddurchlässigkeit und die Dressurarbeit im Allgemeinen. Aber er setzt es sehr gut um und hat sich insbesondere im vergangenen Jahr kontinuierlich weiterentwickelt.“ Mit ihm möchte Christoph, wenn die Trainingsbedingungen es zulassen, gerne das Abenteuer 5* im amerikanischen Kentucky Ende April angehen: ,,Ich hätte richtig Lust auf das Turnier und dort mal zu reiten. In diesem Jahr wird die Reise nach Kentucky vom DOKR finanziell gefördert, daher wäre es eine tolle Gelegenheit. Aber bis Ende April ist es noch lange hin und ich würde ungerne eine so kostspielige Reise antreten, wenn wir nicht optimal vorbereitet sind. Der Plan wäre es, möglichst früh mit dem Konditionstraining zu beginnen, um es schonend aufzubauen und dann in Kronenberg oder Luhmühlen Ende März mit einer 3*-Prüfung turniermäßig zu starten. Wenn dann alles passt, dann würden wir das gerne angehen, aber da schauen wir jetzt von Woche zu Woche, wie das Training möglich ist.“

Für den Holsteiner Carjatan, der Christoph gemeinsam mit Lena Thoenies gehört, sieht der Start in die Turniersaison 2024 etwas anders aus: ,,Eine Vorbereitungsprüfung braucht er nicht unbedingt. Das habe ich in den vergangenen Jahren zwar zwar teilweise gemacht, aber ich hatte danach immer das Gefühl, dass ihm das nicht so viel bringt. Er soll in Marbach das erste Mal gehen. Das ist ein ganz tolles Turnier mit einem hervorragenden Profil im Gelände, das gibt den Pferden nochmal einen richtigen konditionellen Schub. Dort werden wir vielleicht noch nicht volles Risiko gehen und uns dann danach auf die Deutsche Meisterschaft in Luhmühlen vorbereiten. Anfang Juli steht dann das CHIO Aachen auf dem Plan.“

Um den Sport mit mehreren Pferden auf diesem Niveau betreiben zu können, kann Christoph zuhause, auf Lehrgängen und auf dem Turnier immer auf die Unterstützung von Lilly Kirchheim zählen. Die Pferdewirtin für Haltung und Service hat vor sieben Jahren ihre Ausbildung auf dem Klosterhof angefangen und ist in erster Linie für Christophs Pferde zuständig: ,,Sie ist ein sehr wichtiger Baustein im ganzen Gefüge und betreut alle Pferde, die ich täglich reite. Wenn ich nicht da bin, dann reitet sie natürlich auch Carjatan und D’Accord in der täglichen Arbeit.“ Als Leiter des Klosterhof Medingen im niedersächsischen Bad Bevensen gehört die Arbeit im Büro zwar nun zum Alltag von Christoph Wahler, dennoch zieht er es vor, seine Tage im Stall und insbesondere im Sattel zu verbringen: ,,Eigentlich sitze ich den ganzen Tag im Sattel. Das Gute an meinem Job ist, dass ich das auch ein Stück weit bestimmen kann, wie mein Tag aussieht. Ich reite viele junge Pferde. Wir haben aktuell mehrere tollen Springhengste bei uns auf der Station und ich versuche auch immer mal mit unseren Bereitern durchzutauschen, sodass ich möglichst viele Pferde auch unter dem Sattel kenne.“

Auf die Frage, wie Christoph seine Chancen in Richtung olympische Spiele einschätzt, sagt er ganz klar: ,,Ich bin froh, dass ich das nicht selbst entscheiden muss. Ich versuche, die bestmögliche Leistung zu bringen und kann nur sagen, dass Carjatan das Team noch nie im Stich gelassen hat, wenn es ernst wurde. Aber ich versuche da jetzt nicht jeden Tag drüber nachzudenken, wie hoch die Chancen für wen stehen. Nun freue ich mich erst einmal auf die tollen Turniere, die nun in der ersten Saisonhälfte anstehen und für die ich gleich zwei Pferde habe, die auf dem Niveau an den Start gehen können.“

Die Buschreiter Redaktion bedankt sich bei Christoph Wahler für das ausführliche Interview und wünscht für die anstehende Saison viel Erfolg!

WAHLER Christoph (GER) CARJATAN S
CCI4*-L Teilprüfung Gelände
FEI Eventing European Championships 2023 12.08.23 LE PIN-AU-HARAS Haras National du Pin
© Lutz KAISER – AGENTUR datenreiter
12.08.23
https://datenreiter.de

Christoph Wahler und D`Accord – Deutsche Meisterschaften 2023 CCI4*-S Luhmühlen Foto: Jan Frohne

Concentra of Excellence

Olympische Spiele 2028 mit neuem Prüfungsformat in der Vielseitigkeit?