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Nachlese Luhmühlen: ,,An dem Wochenende hat einfach alles gepasst!“ – Katharina Meyer im Buschreiter-Interview

Katharina Meyer und ihr selbstgezogener 16-jähriger Aspen T begeisterten die Zuschauer am vergangenen Wochenende in Luhmühlen, als sie bei ihrem ersten Start in einer CCI5*-L im Gelände und im Springen ohne Hindernisfehler blieben und gleich den siebten Platz belegen konnten. Buschreiter.de sprach mit der zweifachen Mama über ihren Weg bis zur ersten 5*-Prüfung und das besondere Turnierwochenende in Luhmühlen.

Buschreiter.de: Herzlichen Glückwunsch Katha! Ein Fünf-Sterne-Erfolg ist der Wahnsinn – aber wie fühlt es sich an, diesen Meilenstein ausgerechnet mit einem selbstgezogenen Pferd wie Aspen T zu feiern?

Katharina Meyer: Für mich ist das letzte Wochenende immer noch surreal und ich muss mich manchmal kneifen um zu begreifen, dass wir das wirklich zusammen geschafft haben. Ich hatte aus sportlicher Sicht wenige Erwartungen an das Turnier und hatte auch durchaus Respekt vor der Herausforderung. Aber ich wusste sicher, dass ich, wenn ich mal 5* reiten will, das dann mit Aspen in Angriff nehmen kann, weil er wirklich immer auf mich aufpasst und ich weiß, dass er nur springt, wenn er die Situation einschätzen und bewältigen kann. Als dann im Gelände die ersten drei Hindernisse hinter uns lagen wusste ich, dass es gehen kann als Aspen die dicken Sprünge ohne Probleme und in einem super Rhythmus überwunden hat.

Buschreiter.de: Du kennst Aspen von der ersten Sekunde an: Gab es in seiner Jugend diesen einen Moment, in dem du dachtest: „Mensch, der hat das Zeug für ein Fünf-Sterne-Pferd“?

Katharina Meyer: Aspen war in der Herde eher unscheinbar. Er hat gar keine Abzeichen, ist einfach nur braun und ist optisch nie jemandem aufgefallen, außer dass er schon immer sehr groß war. Ich habe ihn dreijährig angeritten, allerdings brauchte er dann nochmal eine Pause um in seinen Körper hineinzuwachsen. Als er vierjährig war habe ich dann wieder drauf gesessen, aber in der Halle oder auf dem Zirkel reiten ging tatsächlich zunächst gar nicht. So sind wir eigentlich in der ersten Zeit nur ausreiten gegangen und auch die ersten Springversuche waren eher wild und noch wenig rittig. Eigentlich wollte ich ihn dann fünfjährig verkaufen, weil das erste Jahr mit ihm so schwierig war und es gab auch einige Interessenten weil er so gut gezogen ist, aber am Ende wollte ihn damals niemand haben weil er einfach noch so wild und unrittig war. Carl Bolten ist ihn dann in der ersten Jagd geritten, weil er damals auch noch sehr stark werden konnte. Dann bin ich ihn aber auch mal selbst bei einer Jagd geritten und die Sprünge waren teilweise schon echt dick und er ist einfach über jede Hecke ganz oben drüber gesprungen ohne mit der Wimper zu zucken. Das war für mich ein Schlüsselmoment in dem ich gemerkt habe wie viel Springvermögen und Herz dieses Pferd hat. Wir sind dann sechsjährig einige Geländepferdeprüfungen geritten und haben auch direkt in Rüspel die Geländepferdeprüfung A und L gewinnen können. Als es dann einmal im Gelände lief ging es dann eigentlich auch recht schnell und wir konnten nach ein paar 2-Sterne Starts direkt die erste 3*-Prüfung reiten als er siebenjährig war. Im Gelände hat er wirklich nie eine Aufgabe in Frage gestellt und hat immer alles super sicher gemacht.

Buschreiter.de: Luhmühlen war bisher das absolute Jahreshighlight. Wie lief eure gezielte Vorbereitung in den letzten Wochen?

Katharina Meyer: Im Januar habe ich mit Peter Thomsen zusammen die Saisonplanung gemacht mit Luhmühlen 3*, Strzegom und Marbach 4* und wenn bis dahin alles nach Plan läuft, dann in Luhmühlen 5*. Ich habe in der ersten Jahreshälfte viel mit Peter telefoniert und ihn immer wieder auf dem Laufenden gehalten wie die Vorbereitungen laufen. Als Mentoren hatte ich zuhause die Unterstützung von Claus Erhorn und Hans Melzer, die mir immer Seite standen. Hans ist auch mit mir das Gelände in Luhmühlen abgegangen, ohne ihn wäre ich nicht an den Start gegangen. Das Problem war dann am Ende weniger mein Pferd, sondern mein Knie hat mit einer Schleimbeutelentzündung einige Probleme gemacht. Das fing schon vor Marbach an. So konnte ich dann zwischenzeitlich nicht joggen gehen und hatte auch teilweise beim reiten Schmerzen. Zum Glück bekam ich dann eine Bandage mit der es mir dann wieder möglich war ohne Probleme jeden Tag joggen zu gehen. Als das dann geklappt hat habe ich so langsam realisiert, dass es nun wirklich klappen könnte mit dem 5*-Start. Aber ohne meine Mama Monika Tietz hätte das alles nie so geklappt. Sie hat einen riesen Anteil daran, dass ich so regelmäßig reiten und mich intensiv vorbereiten konnte, da sie in der Zeit auf meinen jüngeren Sohn aufgepasst hat.

Buschreiter.de: Die Geländestrecke hatte es in sich. Wie lief die Runde aus deiner Perspektive im Sattel – und gab es eine Klippe, die Aspen besonders genial gelöst hat?

Katharina Meyer: Ich fand die Strecke war echt toll gebaut! Natürlich waren die Hindernisse dick und es gab auch viele verschiedene Komplexe, aber alle Aufgaben waren für die Pferde klar und verständlich. Speziell beim ersten Wasser hatte ich mir einige Gedanken gemacht: Das kam ja doch sehr früh in der Strecke und ist immer anspruchsvoll. Gerade bei einem MIM-Steilsprung vorne weg weiß man nie genau wie die Pferde den springen und ich dachte, hier ist es wichtig einen guten Flow zu haben für den Rest der Strecke. Tatsächlich bin ich dort etwas von meiner geplanten Linie abgekommen, weil Aspen das Boot schon sehr früh gesehen hat und da direkt hingezogen ist ohne den geplanten Bogen. Da hat er schon viel alleine entschieden, aber danach hatte ich ihn toll bei mir und er hat mir super zugehört. Respekt hatte ich auch vor der Irish Bank, sowas kann man ja nicht wirklich üben, aber eigentlich springt er Auf- und Absprünge immer sehr sicher. Das hat dann am Ende auch super geklappt und so schnell wie wir oben waren, waren wir nach zwei Trabtritten auch schon wieder unten. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass er sich vor dem Gelände die Kursskizze angeschaut hat, weil er das alles so sicher gemacht hat.

Buschreiter.de: Sonntagmorgen, nach dem anstrengenden Gelände: Was habt ihr gemacht, damit Aspen eine so tolle und frische Springrunde drehen konnte und wie groß war die Erleichterung nach dem letzten Sprung?

Katharina Meyer: Erst einmal waren wir nach dem Gelände super glücklich, dass er so gut drauf war. Er trabte super, verhielt sich wie immer und alle Beine sahen auch super aus. Deshalb konnte ich schon relativ entspannt in die Nacht gehen. Sonntag früh gab es dann auch nochmal ein Vortraben mit dem deutschen Kader, wo auch alles super aussah. Auf die Verfassung in Luhmühlen habe ich mich auch ganz besonders gefreut. Die Atmosphäre dort ist einfach einzigartig und ich habe alles junges Mädchen schon immer bewundert wie hübsch sich alle machen und wie herausgebracht die Pferde sind. Da dann auch mal mit dem eigenen Pferd dabei zu sein ist natürlich etwas ganz besonderes!
Vor dem Springen war es für mich auf jeden Fall sehr angenehm zu wissen, dass Aspen in der Regel sehr gut springt. Marcus Döring sagte zu mir, dass wenn er sich für heute ein Pferd aussuchen müsste zum selber über den Parcours reiten, dann würde er Aspen wählen, was mir natürlich nochmal ein gutes Gefühl gegeben hat. Das Springen war wirklich ganz schön schwer aufgebaut und ich weiß nicht, ob wir überhaupt schonmal so hoch gesprungen sind. Der Parcours lief dann wirklich super, außer in einer Linie habe ich einen Galoppsprung mehr gemacht als zunächst geplant. Vor dem letzten Sprung habe ich ihm nochmal gut zugeredet und als wir dann im Ziel waren konnte ich es kaum glauben, dass wir das gerade zusammen geschafft haben. Es war auch so toll wie sich das Publikum und meine Freunde und die Familie vor Ort mitgefreut haben mit uns. An dem Wochenende hat wirklich einfach alles gepasst! Ich habe mir auch direkt die Ergebnisliste und das Programmheft ausgedruckt mitgenommen, damit ich da später meinen Kindern und Enkeln von erzählen kann, dass Aspen und ich bei dem Turnier mit dabei waren.

Buschreiter.de: Die Schleife ist eingeheimst, der Erfolg perfekt: Wie sieht Aspens wohlverdiente Belohnung in den nächsten Tagen aus, und was habt ihr diese Saison noch vor?

Katharina Meyer: Im Moment geht Aspen am AZL in Luhmühlen, wo sein zuhause ist, fast nur auf die Weide, solange es nicht zu heiß ist, und geht ein bisschen am Halfter an der Longe, um zu schauen wie er sich bewegt. Unser Tierarzt Klaus-Peter Neuberg war auch einmal da, um ihn durchzuchecken und ich denke nächste Woche werden wir mal wieder den ersten entspannten Ausritt starten. Aspen ist grundsätzlich ein sehr fittes Pferd und hat 80% Vollblutanteil, was ihm bei der Regeneration nach langen Prüfungen zugute kommt.
Als dann Montag nach Luhmühlen die Longlist für die WM rauskam konnte ich es kaum glauben, dass wir da nun zwischen Reitern wie Julia Krajewski und Michi Jung draufstehen. Die Order von der Teamleitung ist nun erst einmal die Pferde fit zu halten und es gibt bald nochmal einen Lehrgang in Warendorf, wo es in erster Linie um den Fitnesscheck der Pferde geht. Egal wie es jetzt weitergeht, für mich sind mit der 5*-Platzierung und der Nominierung für die Longlist schon zwei ,,Lifegoals“ in Erfüllung gegangen und ich bin unendlich stolz auf das, was Aspen und ich in Luhmühlen gemeinsam geschafft haben.

Die Buschreiter-Redaktion bedankt sich sehr herzlich bei Katharina Meyer für das spannende Interview und drückt feste die Daumen, dass sie auch in Zukunft noch einige gemeinsame Wochenenden haben werden an denen ,,alles passt!“

 

Longines Luhmühlen Horsetrials CCI5*-L
Meßmer Trophy CCI4*-S
Meyer, Katharina(GER)Aspen TCCI5*
Luhmühlen 2026 20.06.26 Luhmühlen Turniergelände Wetsergellerser Heide
© Lutz KAISER – AGENTUR datenreiter
20.06.26
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