Seit Jahrzehnten eröffnet der „Preis der Besten“ die Saison für die deutschen Nachwuchstalente im Pferdesport. Den Beginn machten in diesem Jahr wieder die Vielseitigkeitsreiter. Sie ermittelten bereits zum zweiten Mal ihre Besten im Rahmen des bekannten und gut besuchten internationalen Vielseitigkeitsturniers der Familie Vogg in Radolfzell am Bodensee. Die Titel gingen dabei an Pita Schmid und Favorita V (U21/Junge Reiter), Teresa Leowald und DJ Continus (U18/Junioren) und Justus Hayessen und Miss Windsor (U16/Ponyreiter).
Erwartungsgemäß recht überschaubar war das Starterfeld bei den Jungen Reitern im Rahmen der offen ausgeschriebenen Drei-Sterne-Kurzprüfung (CCI3*-S). Einige Reiter fehlten aus verschiedenen Gründen, beispielsweise wegen des anstehenden Abiturs. Nicht mehr dabei war aus Altersgründen auch die Vorjahres-Beste Isabella von Roeder. An ihre Stelle trat Pita Schmid aus dem sächsischen Neumark mit ihrer Hannoveraner Stute Favorita V. Mit einem Sieg bei den Junioren im vergangenen Jahr hatten die beiden bereits bewiesen, dass ihnen die Strecke rund um den Weiherhof liegt. Hieran konnten sie nun nahtlos anknüpfen. Nach der Dressur waren sie noch Dritte, im Gelände allerdings die Schnellsten der insgesamt elf Preis-der-Besten-Kandidaten. Das reichte für die Führung, die sie im Parcours mit nur 0,8 Zeitstrafpunkten auch nicht mehr abgaben. Mit lediglich 35,0 Minuspunkten siegte Schmid mit Abstand vor der Baden-Württembergerin Silva Kelly und dem Hannoveraner Stalypso-Sohn Calypso. Letztere bildeten im Viereck noch das Schlusslicht im U21-Starterfeld, rückten jedoch im weiteren Verlauf der Prüfung unaufhaltsam nach vorne. Ihren Silberrang mit 40,7 Minuspunkten verdankte Kelly dann einer von nur zwei Nullrunden im Parcours. Die zweite Nullrunde ging auf das Konto das zweifachen U18-Mannschaftseuropameisters Matti Garlichs und dem 14-jährigen Westfalen Ludwig. Das Paar belegte mit 42,4 Minuspunkten den Bronzerang.

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Die offene Wertung des CCI3*-S ging an Louise Romeike (Schweden) mit Caspian (27,3) vor Michael Jung mit fischerSolution II (31,7) und Nina Schultes mit Grand Prix Iwest (34,3).
Junioren
Viele Nullrunden gab es beim Geländeritt der Zwei-Sterne-Prüfung (CCI2*-S), darunter auch in dem mit 24 Paaren stark besetzten Juniorenfeld. Entsprechend dicht lag die Spitze vor dem abschließenden Springen zusammen, kein Springfehler trennte die ersten zwölf U18-Paare. Am Sonntag war daher nicht nur ein gutes Springvermögen gefragt, die Teilnehmer brauchten auch starke Nerven. Und die bewiesen Teresa Leowald und ihr Schimmel DJ Continus. Als Führende der Preis-der-Besten-Wertung nach Dressur und Gelände absolvierten sie auch den Parcours ohne Fehl und Tadel und setzten sich damit auch in der offenen Wertung des CCI2*-S an die Spitze. Nur 28,1 Minuspunkte lautete ihr Dressur- und gleichzeitig Endergebnis. Die 17-jährige Ratingerin bestätigte mit diesem Erfolg den gelungenen Umstieg vom Pony aufs Pferd. Bereits im letzten Jahr konnten sie und der Hannoveraner Diacontinus-Sohn, der zuvor nur als Springpferd unterwegs war, das Bundesnachwuchschampionat für sich entscheiden. Auf dem Silberrang landete die hessische Reiterin Karlotta Isabelle Walla mit dem Holsteiner Clever Man WAF (v. Clarimo). Auch sie konnte bereits 2025 mit einem Sieg im U16-Bundesfinale auf sich aufmerksam machen. In Radolfzell kamen im entscheidenden Parcours lediglich 0,4 Zeitstrafpunkte für sie hinzu, so dass ihr Endstand -29,0 lautete. Komplettiert wurde das Podium durch Isabelle Grom vom Reitinternat in Neustadt/Dosse und ihre Holsteiner Stute Halma (v. Crumble). Mit insgesamt 29,9 Minuspunkten landete sie vor Iliane Hannalisa Hein mit Akeby’s Quemira Silla mit 30,7 Minuspunkten auf Platz drei. Hein war neben der Siegerin die einzige Juniorin, der eine komplette Nullrunde im Parcours glückte. Sie rückte damit von Platz zehn auf Platz vier im Preis-der-Besten-Endstand vor.
„Radolfzell hat auch in diesem Jahr wieder fantastische Bedingungen für den Preis der Besten geboten. Wir hatten ein tolles Flair, bestes Wetter und optimale Bedingungen im Gelände“, zog Bundestrainer Frank Ostholt sein Fazit. ,,Bei den Jungen Reitern war allerdings abzusehen, dass wir ein kleines Starterfeld haben. Generell sind wir hier aber besser aufgestellt als im letzten Jahr. Die Strecke war anspruchsvoll, mit guter Linienführung, guten Grundlinien, super Boden und ganz klar zu lesenden Aufgaben für die Pferde. Eine tolle Prüfung, mit der unsere Reiter gut zurechtgekommen sind und dort einen vielversprechenden Eindruck hinterlassen haben. Die Zwei-Sterne-Prüfung war dem Saisonbeginn angemessen aufgebaut. Es gab viele sehr gute Runden. Wir haben aktuell aber auch das Glück, gerade ein ganz starkes Juniorenfeld zu haben, mit gut reitenden Jugendlichen und guten Pferden. Das Ganze verläuft ja immer so ein bisschen in Wellen, aber dieses Jahr sind wir besonders gut aufgestellt. Das lässt für die Saison hoffen.“

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Ponyreiter
Justus Hayessen ist der „Beste“ der deutschen Ponyreiter. Nach Dressur noch Neunter, gelang dem hessischen Nachwuchsreiter und seiner Schimmelstute Miss Windsor im Gelände eine Nullrunde. Damit rückte der 14-Jährige bereits in die Medaillenränge vor und sicherte sich dank eines nervenstarken Springens mit nur 32,2 Minuspunkten den Titel. Hayessen ist nach 2017 – damals gewann Calvin Böckmann – der erste Preis-der-Besten-Sieger seiner Altersklasse. Zwischenzeitlich hatten stets Reiterinnen die Nase vorn. Auch in Radolfzell sah es zunächst nach einer Siegerin aus. Als Führende nach Dressur und Geländeritt hatte es Lea Brügger aus Ascheberg in Hand, die Serie fortzusetzen. Ein Abwurf am vierten Sprung verhinderte dies jedoch. Brügger wurde mit 34,0 Minuspunkten wie schon im Vorjahr Zweite. Dieses Mal allerdings nicht mit Next Generation, sondern mit deren elfjährigen Tochter Golden Girl’s Nelly. Auf dem Bronzerang landete Greta Marie Löhr aus Rhede mit dem 15-jährigen ehemaligen PdB-Sieger Ratcline Dream (42,3 Minuspunkte).
„Mit 13 Ponys im Preis der Besten haben wir das vorhandene Kontingent weitgehend ausgeschöpft. Nicht dabei war Vorjahressiegerin Milla Staade. Sie reitet in diesem Jahr schon bei den Junioren mit. Insgesamt wurde ordentlich geritten, im Gelände ließ es der ein oder andere zu Jahresbeginn noch etwas ruhig angehen. Bei den kommenden Prüfungen müssen sie sich da etwas mehr beweisen. Das Springen war sehr anspruchsvoll, das zeigen die Ergebnisse. Von unseren deutschen Paaren war nur Justus Hayessen ohne Abwurf, war aber eine Sekunde zu langsam. Sein Sieg kam ein bisschen überraschend, aber absolut verdient. Es zeigt sich wieder einmal, dass Übersicht und gutes Reiten belohnt werden“, sagte der zuständige Bundestrainer Rüdiger Rau. „Justus hat ein gutes Gefühl für sein Pony, das zuvor schon mit zwei anderen Reitern unterwegs war und sich immer mehr verbessert.“
Wie alle Prüfungen wurde auch dieser Preis der Besten der Ponyreiter im Rahmen einer internationalen Prüfung ausgetragen, in diesem Fall sogar als Nationenpreis. Der Gesamtsieg ging noch vor Justus Hayessen an die Italienerin Isabella Owers mit Astronautes Voyage (31,5 Minuspunkte). Der Sieg in der Teamwertung war den Franzosen nicht zu nehmen. Die beiden deutschen Mannschaften belegten die Plätze zwei und drei.

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Stiftung Deutscher Pferdesport vergibt Stilpreise
Bereits gute Tradition ist es, beim Preis der Besten jeweils einen Stilpreis für die stilistisch beste Runde unter den Aspekten sicheren Geländereitens zu vergeben, gefördert durch die Stiftung Deutscher Pferdesport. In diesem Jahr durften sich Mathis Huisinga mit Carlotta (Junge Reiter), Lukas Wilhelm Sühling mit Allnightparty (Junioren) und Anna von Helldorf mit Marlon (Ponyreiter) über diese Auszeichnung und eine bestickte Boxentasche als Ehrenpreis freuen.
U25-Förderpreis Vielseitigkeit
Im Rahmen der Drei-Sterne-Prüfung wurden auch die ersten Punkte im Rahmen des von Professor Dr. Bernd Heicke unterstützten U25-Förderpreises Vielseitigkeit vergeben. Sieg und Platz zwei der Sonderwertung gingen an die Pita Schmid und Silva Kelly, der dritte Platz an den 23-jährigen baden-württembergischen Reiter Linus Weiss mit Astrello. In der offenen Wertung des CCI3*-S belegte er Platz elf. Pferdesport-Deutschland/Hb
Endergebnis Preis der Besten Junge Reiter – CCI3*-S
Endergebnis Preis der Besten Junioren – CCI2*-S
Endergebnis Preis der Besten Ponyreiter – CCIOP2*-S
Vielen Dank für die schönen Fotos der Preis der Besten Sieger an Dennis Anderle Conker01 Photography

