Das neue Jahr ist angebrochen, die Kader für die Saison sind aufgestellt und das Wintertraining ist bereits in vollem Gange. Zeit für einen Ausblick auf 2026 mit unserem Vielseitigkeitsbundestrainer Peter Thomsen, für den in dieser Saison natürlich alle Vorbereitungen im Zeichen der Heim Weltmeisterschaft in Aachen stehen.
Buschreiter.de: Welche Lehrgänge stehen nun zu Beginn der Saison an und inwiefern bist du über das Wintertraining der Kaderpferde in Kenntnis ?
Peter Thomsen: Wir haben zum ersten Kaderlehrgang vom 9.-15. Februar nach Warendorf bereits eingeladen und ein zweiter Lehrgang vom 9.-18. März ist in Planung. Ich stehe zusätzlich im ständigen Austausch mit den ReiterInnen über den aktuellen Trainingszustand der Kaderpferde und werde auch von den Spezialtrainerinnen Anne-Kathrin Pohlmeier für die Dressur und Lara Weber fürs Springen ständig auf dem Laufenden gehalten. Die beiden sehen die meisten Kaderpferde wöchentlich in Warendorf und Luhmühlen beim Kadertraining. Einige Championatskaderreiter, die weiter weg ihren Stall haben, werden hin und wieder von den Disziplintrainern zuhause trainiert. Ich selber habe bzw. werde alle ReiterInnen nach der Saison 2025 im Heimatstall besuchen, um das letzte Jahr zu analysieren und die kommende Saison in Ruhe zu planen.
Meine Kollegen Rüdiger Rau, Frank Ostholt und Andreas Dibowski machen das auch bei Ihren Kaderreitern. Wir wollen die Heimtrainer und Bedingungen vor Ort kennenlernen, um alle Details im Training zu kennen und optimal nutzen zu können.
Buschreiter.de: Wie breit siehst du den deutschen Kader aktuell aufgestellt – gibt es genügend Optionen für die WM in Aachen?
Peter Thomsen: Wir haben viele TopreiterInnen in allen Altersklassen, die international richtig was erreichen können! Ich würde mir aber eine noch größere Anzahl an 4* und 5* Pferden für unsere ReiterInnen wünschen, um öfter auf dem Niveau starten zu können oder ein adäquates Ersatzpferd für Championate zu haben. Das zieht sich allerdings durch alle Altersklassen von den Ponyreitern bis zum Championatskader der Senioren. Aber wir arbeiten daran, das zu verbessern. Für die WM in Aachen heißt das, wenn keine Pferde ausfallen, sind wir top aufgestellt!
Buschreiter.de: Welche Kriterien sind 2026 besonders entscheidend für eine mögliche WM-Nominierung?
Peter Thomsen: Mein persönliches Minimalziel ist die Olympiaqualifikation in Aachen, am liebsten mit einer Mannschaftsmedaille. Dafür brauchen wir vier schnelle fehlerfreie Geländerunden. Erfahrene, gesunde Geländepferde und sichere sowie schnelle GeländereiterInnen sind für dafür unabdingbar. Die Rangierung dieser Paare hängt dann von den zu erwartenden Dressur- und Springresultaten unserer WM BewerberInnen ab.
Als amtierender Welt- und Europameister wird aber auch das Fan- und Medieninteresse während unserer Heim-WM in Aachen riesig sein, daher brauchen wir nervenstarke und fokussierte ReiterInnen, die sich bis zum letzten Sprung des Parcours durch nichts und niemanden ablenken lassen.
Buschreiter.de: Was bedeutet eine Weltmeisterschaft im eigenen Land – sportlich, emotional und organisatorisch?
Peter Thomsen: Die letzte Heim-WM in Aachen durfte ich 2006 bereits miterleben und ist für mich nach wie vor ein unvergessliches emotionales Highlight. Toller Sport, perfekte Organisation und die einmalige Stimmung im Aachener Stadion und im Gelände bleibt für immer in meinem Gedächtnis! In meiner jetzigen Position werde ich mich hingegen voll auf das sportliche Ergebnis konzentrieren und mit unseren Pferden und ReiterInnen, dem Betreuerteam und allen dazugehörigen Teammitgliedern alles dafür tun, um an unsere sportlichen Erfolge anzuknüpfen und die deutsche Vielseitigkeitsreiterei bestmöglich zu präsentieren.
Buschreiter.de: Welche speziellen Herausforderungen bringt Aachen als Gelände und Veranstaltungsort mit sich?
Peter Thomsen: In Aachen war schon immer ein besonders anspruchsvoller und intensiver Geländekurs. Hier kommt es darauf an, dass die ReiterInnen das richtige Tempo finden, um die Pferde bei den technischen Aufgaben gut genug vorzubereiten und ohne Fehler schnellstmöglich ins Ziel zu kommen. Dieses Jahr erwarte ich durch die deutschen ZuschauerInnen noch mehr akustische Unterstützung. Unsere ReiterInnen müssen trotzdem cool bleiben und akkurat bis über den letzten Sprung reiten.
Buschreiter.de: Was müsste passieren, damit du am Ende von 2026 sagst: Das war eine erfolgreiche Saison?
Peter Thomsen: An erster Stelle steht für mich immer gutes und ästhetisches Geländereiten, das unseren Vielseitigkeitsport in der Öffentlichkeit positiv repräsentiert. Natürlich wünsche ich mir auch Medaillen in allen Altersklassen, in den letzten Jahren hat das immer geklappt. Eine Mannschaftsmedaille in Aachen und das Podium beim Nations Cup wären für mich eine erfolgreiche Saison. Wenn es so liefe wie bei der letzte WM/EM, um so schöner!
Wir bedanken uns recht herzlich bei Peter Thomsen für das interessante Interview und wünschen viel Erfolg für die WM-Saison 2026!


